« | Blättern

70 Jahre Vinyl!

601px-Vogue_DV_14_006_Petula_ClarkAm 10. Dezember 1948 verabschiedete die UN-Generalversammlung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und der Jahrestag dieses Ereignisses, der internationale Tag der Menschenrechte, jährt sich dieses Jahr zum 70. Mal. Im Artikel 27 (“Freiheit des Kulturlebens”) der Erklärung heißt es im ersten Absatz: “Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.”

Manchmal waren es gerade die Errungenschaften des wissenschaftlichen Fortschritts, die dazu beitrugen, sich an den Künsten erfreuen zu können. Gedacht sei in diesem Zusammenhang an eine technische Erfindung, die nun ebenfalls ihr 70-jähriges Jubiläum feiert: die Langspielplatte.
Am 21. Juni 1948 stellte Goddard Lieberson, damaliger Präsident von Columbia Records, die heutige Langspielplatte vor, bestehend aus Polyvinylchlorid, mit einem Durchmesser von 12 Zoll, einer Abspielgeschwindigkeit von 33 1/3 Umdrehungen pro Minute sowie einem kleinen Mittelloch. Maßgeblich verantwortlich für diese war der in Ungarn geborene US-amerikanische Ingenieur Peter Carl Goldmark (der später auch den ersten Farbfernseher vorführte). Goldmark war bereits seit 1939 als leitender Ingenieur bei CBS an der Verbesserung der Schallplattentechnik tätig und gehörte jener Gruppe prominenter ungarischer Wissenschaftler jüdischer Abstammung an, die von den US-Amerikaner wegen ihres scheinbar nicht von dieser Welt stammenden Intellekts ehrfurchtsvoll als “The Martians”, also “die Marsianer”, genannt wurden.
Seit Emil Berliner am 4. Mai 1887 für seine Erfindung des Schallplattenspieler ein Patent erteilt wurde, gab es viele Versuche, diese zu verbessern. Nach der Elektrifizierung standen dabei vor allem die nur mäßige Klangqualität und die kurze Laufzeit einer Schallplatte im Fokus der Techniker, aber auch deren Haltbarkeit und Preis. So boten übliche 10-Zoll-Schellackplatten gerade einmal etwas mehr als drei Minuten Spielzeit pro Seite bei einer Abspielgeschwindigkeit von 78UpM, denn geringere Abspielgeschwindigkeiten führten zu deutlichen Klangeinbußen. Längere Stücke, vor allem klassische Werke, mußten somit auf viele Schellackplatten verteilt werden, die handelsüblich in einem Album aufbewahrt wurden. Die Bezeichnung “Album” für eine LP hat hier ihren Ursprung. Mit Polyvinylchlorid statt dem teuren Naturprodukt Schellack ließen sich all diese Mängel beseitigen, dies war spätestens seit 1930 durch die erste langspielende Vinylschallplatte von RCA Victor bekannt. Doch es war Goldmarks Konzeption, die sich letztendlich durchsetzte und einen kommerziellen Siegeszug antrat. Zumindest bis zur Einführung der digitalen Compact Disc 1979 und es wurden bereits 1990 doppelt soviele CDs wie Schallplatten verkauft, was die Musikindustrie vorschnell den Tod der Schallplatte verkünden ließ. Doch Totgesagte leben länger und heute sieht es eher danach aus, als würde die Schallplatte einmal die CD überleben, in einer Nische zwar, denn in Zeiten von Streaming und Download sind Tonträger im Prinzip obsolet geworden, aber immerhin. Manch Musikliebhaber verlangt es eben nach physischen Tonträgern und unter diesen ist Vinyl sicherlich die erste Wahl.
In diesem Sinne freuen wir uns auf noch viele Jahre mit dem schwarzen Gold und sagen, Happy Birthday, Schallplatte!

Kommentare sind nicht erlaubt.