Archiv für August, 2017

Glen Campbell ist von uns gegangen

Samstag, August 12th, 2017

Es war ein Abschied auf Raten, den 5747928_1_l nehmen musste. Vor sechs Jahren wurde bei dem Country-Sänger und Songwriter Alzheimer diagnostiziert. Es folgte eine Abschiedstournee; dann mit „I’ll Be Me“ ein mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm über Campbells letzte Studio-Aufnahmen und seinen Kampf mit der Krankheit, der ebenso hoch ausgezeichnete Soundtrack zum Film, und schließlich erschien erst dieses Jahr noch einmal ein Album mit Aufnahmen aus den Jahren 2012 und 2013: „Adios“ hieß es, und es war ein endgültiger Abschied. Songs, die Campbell immer geliebt aber nie aufgenommen hatte, waren auf dieser Scheibe versammelt – und der jahrezehntelange Bühnenroutinier konnte sich bei den Aufnahmen schon kaum mehr als eine Zeile Text am Stück merken. Nun starb Campbell im August 2017 mit 81 Jahren.
Als Session-Musiker verdiente sich Campbell in den 60ern seine ersten Sporen – auf mancher Single von Ricky Nelson, den Monkees, Merle Hagert oder gar Elvis Presley ist sein rasantes Gitarren-Picking zu hören – „eine Geheimwaffe im Arsenal der Plattenproduzenten der Sechziger“, so nannte ihn sein Freund, der Songwriter Jimmy Webb. Webb war es auch, der ihm mit „Wichita Lineman“ einen seiner ersten großen Hits auf den Leib schrieb. Der einsame, melancholische Cowboy, dem das Leben irgendwie die Sonnenseite verweigert, das war Campbells ikonisches Thema in seinen erfolgreichsten Songs. „Gentle On My Mind“, „By The Time I Get To Phoenix“, und natürlich am berührendsten in dem Lied, dessen Titel zu Campbells Spitznamen auf alle Zeiten wurde: „Rhinestone Cowboy“.
Freunde schätzten den Sänger, der in seinen Songs mit raubeiniger Aufrichtigkeit zu Tränen zu rühren wusste, im Privatleben dagegen für seinen Humor und seine nie erlahmende Energie. Ganz klar, wer einmal einen Live-Mitschnitt des mitreißenden Entertainers Campbell gesehen hat, den wundert es nicht mehr, dass sich dieser Mann auch von einer Krankheit wie Alzheimer so lang es irgend ging nicht ausbremsen ließ.
Wir können sein letztes Album „Adios“ nur wärmstens empfehlen – es ist nicht nur ein gelungener Abschied, sondern auch ein wundervoller Einstieg in Campbells umfangreiche Diskographie, für die, die bisher nur wenig von ihm kennen.
Und irgendwie kommt man nicht umhin, ihn sich beim Abschied in der fast ein wenig sentimentalen Western-Szenerie vorzustellen: „Like a rhinestone cowboy, riding out on a horse in a star spangled rodeo…“