Archiv für März, 2017

Donnerstag, März 30th, 2017

Fone_111_1_lScott Hamilton – Ballads for Audiophiles (180 g)

Scott Hamilton – Saxofon
Paolo Birro – Klavier
Alfred Kramer – Schlagzeug
Aldo Zunino – Kontrabass

Aufnahmen am 10. Juli 2015 im Hotel Il Castello, Palazzo di Scoto di Semifonte Certaldo Alto, Florenz, Italien.
Aufgenommen auf einer speziellen 1/2 Inch-Ampex ATR 102 Bandmaschine mit 76 cm/sec unter Verwendung der von Giulio Cesare Ricci heißgeliebten Röhrenmikrofone U47, U48 und M 49 von Neumann.

Reine Balladen-Alben sind im Jazz keine Seltenheit, aber eben doch auch immer wieder ein gewagtes Unterfangen. Damit eine solche Platte nicht langweilig, kitschig oder banal gerät, braucht es schon eine geschickte Song-Auswahl, ausgefuchste Arrangements und vor allem erstklassige Musiker. Und alle drei Voraussetzungen werden auf dieser Platte einwandfrei erfüllt. Die Songauswahl reicht von Evergreens wie Henry Mancinis „Moon River“ über beliebte Jazzstandards wie „The Shadow Of Your Smile“ oder „All Or Nothing At All“ bis hin zu selten gehörten Nummern wie Richard Adlers „Hey There“ oder Billy Reids „The Gypsy“.
Die Arrangements für die klassische Jazz-Quartettbesetzung lagen ganz in den kundigen Händen der vier Musiker, und die sind für Foné-Fans keine Unbekannten: Scott Hamilton (Saxofon) begeisterte hier zuletzt mit seinen Alben „I Could Write A Book“ und „Who Cares?“ gemeinsam mit Pianist Andrea Pozza. Auf „Ballads For Audiophiles“ kommt Hamilton wieder mit zwei Kollegen zusammen, mit denen er bei Foné bereits auf „Bean And The Boys“ zu hören war: Paolo Birro am Klavier und Alfred Kramer am Schlagzeug. Für genüssliche Jazzballaden allerdings ist ein warm klingender und elegant gespielter Kontrabass unverzichtbar, und deswegen gesellt sich auf diesem Album noch ein vierter Mann hinzu: Bassist Aldo Zunino.
Gemeinsam meistert dieses Quartett eine beeindruckende stilistische Bandbreite: Hamilton und Zunino haben den sanften Swing im Blut, Paolo Birro ist dank seiner klassischen Ausbildung ebenso virtuos wie kantabel an den Tasten unterwegs, und Drummer Alfred Kramer, der auf eine lange Karriere in Enzo Pietropaolis exerimentellem Space Jazz Trio zurückblicken kann, hebt mit subtilen Grooves die Stücke gekonnt voneinander ab – von frei dahingleitenden Atmosphären bis zu verführerisch langsamen Latin-Beats ist hier alles dabei.
Auch der Ort, an dem diese Platte entstand, ist mittlerweile bei Foné äußerst bewährt: Das urige Gewölbe des alten Hotels „Il Castello“ in Florenz. Bis auf Aldo Zunino standen alle Musiker dieser Aufnahme schon mehrmals in diesen Räumlichkeiten vor dem Mikrofon (insbesondere natürlich Alfred Kramer, dem das Hotel gehört), und auch Giulio Cesare Ricci, der die Aufnahme wie gewohnt selbst leitete, kennt die Akustik der alten Mauern inzwischen schon sehr genau. Bestimmt liegt es auch daran, dass „Ballads For Audiophiles“ eine wunderbar entspannte und familiäre Atmosphäre hat, in der sich die Musik ungehindert entfalten kann, von Signore Ricci auf rein analogem Signalweg in absolut erstklassiger Klangqualität eingefangen. Besonders der enorm detaillierte Saxofonklang und der der herrlich warme Kontrabass machen dieses Album zu einem echten audiophilen Leckerbissen. Wie immer bei Foné auf 496 Stück limitiert – also schnell zuschlagen! ww

http://dacapo-records.de/product_info.p…/products_id/1234149

Um die hohe Foné-Qualität zu gewährleisten, wurde die LP vom Original-Analogband durch Giulio Cesare Ricci bei Fone direkt gemastert. Auch der One-Stage-Schnitt wurde rein analog realisiert, gepresst wurde in Deutschland auf hochwertigem 180 g-Virgin-Vinyl.

Musikalisch erstklassig und klanglich ein vollendeter Genuss!

Various Artists – Gran Gala (180 g)

Dienstag, März 21st, 2017

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Seit Jahrzehnten steht das italienische Label Fone nicht nur für exzellente Klang- und Musikqualität, die seinesgleichen sucht, sondern auch für ein ausgesprochen breit gefächertes Spektrum an verschiedenen Künstlern, Stilen, Genres und kreativen Herangehensweisen. Neben Fones großartigen Klassikaufnahmen sind es vor allem kammermusikalische Besetzungen aus Pop und Jazz, denen die besondere Liebe von Label-Chef Giulio Cesare Ricci gehört. Und genau ihnen, denen sonst eher die kleine Bühne zu eigen ist, widmet Fone mit dieser Platte eine große Gala: „Gran Gala“ heißt die wundervoll gemachte Kompilation, mit der Signore Ricci seine Künstler des kleinen musikalischen Formats feiert.
Und wen es hier alles zu hören gibt! Groovig swingend eröffnet ein bewährtes Fone-Trio den Reigen: Scott Hamilton (Saxofon), Paolo Birro (Piano) und Alfred Kramer (Drums) mit Henry Mancinis „Pink Panther Theme“, das ist musikalische Lässigkeit pur. Scott Hamilton gibt es auf Seite B noch ein zweites Mal zu hören, im Duo mit dem Pianisten Andrea Pozza spielt er hier den Sonny-Rollins-Klassiker „Airegin“ von seiner LP „Who Cares?“ – federleichter Bebop, der ganz ohne Percussion und Bass auskommt.
Apropos Bass: Wer natürlich bei einer Fone-Gala auf keinen Fall fehlen darf, das ist Kontrabass-Großmeister Enzo Pietropaoli. Mit ihm haben es gleich drei geniale Tracks auf diese LP geschafft: Im Trio mit Fulvio Sigurta (Trompete) und Battista Lena (Gitarre) und der umwerfend bluesigen Ballade „La Notte“ vom gleichnamigen Album; im Duo mit Sängerin Eleonora Bianchini (hier wird ein Michael Jackson-Klassiker originell gegen den Strich gebürstet); und schließlich noch ein echter virtuoses Solo-Kabinettstückchen aus eigener Feder von seiner LP „Solo“.
Zwei Jazz-Duos sind noch mit von der Partie: Old school und groovig bringen einen Riccardo Zegna (Piano) und Giampaolo Casati (Trompete) mit einem Stück von ihrem Album „Paris Blues“ zum Fingerschnipsen, ganz in sich gekehrt und verträumt dagegen streicheln Peo Alfonsi (Gitarre) und Salvatore Maiore (Kontrabass) die musikalische Seele.
Intim und atmosphärisch sind auch die Klänge, die Fausto Mesolella in Nino Rotas Romeo-und-Julia-Thema seiner Gitarre entlockt – er ist es aber auch, der diese Kompilation mit dem am größten besetzten Stück abschließt: „Tulipani“ von seinem Album „Cantostefano“ lässt mit bodenständigem Bandsound eine Art italienische Mischung aus Mark Knopfler und Leonard Cohen aus den Boxen schweben.
Verschiedenste Künstler und Besetzungen, geradeaus gespielter Jazz oder experimentelles Crossover, Live-Mitschnitt oder speziell ausgewählte Aufnahme-Location – eines haben alle auf dieser LP versammelten Stücke gemeinsam: Die überaus perfekt gemachte Aufnahme und das exzellente Mastering durch Giulio Cesare Ricci in einer Qualität, von der andere Labels nur träumen können. Alle hier zu hörenden Aufnahmen entstanden mit rein analogem Signalweg und wurden auch rein analog auf Riccis Ampex 2-Spur-Maschine gemastert. Diese Kompilation ist also nicht nur eine Gala der genialen Künstler bei Fone, sondern auch ein Fest der umwerfenden Klangqualität, für die dieses Label berühmt ist. Wie immer bei Fone erscheint auch „Gran Gala“ auf 180 g Virgin Vinyl und in auf 496 Stück limitierter Edition. Das muss man sich einfach gönnen! wv

Um die hohe Fone-Qualität zu gewährleisten, wurde die LP vom Original-Analogband durch Giulio Cesare Ricci bei Fone direkt gemastert. Auch der One-Stage-Schnitt wurde rein analog realisiert, gepresst wurde in Deutschland auf hochwertigem 180 g-Virgin-Vinyl.

 

Montag, März 20th, 2017

VP_80006„Wenn man versuchen sollte, dem Rock’n’Roll einen anderen Namen zu geben, könnte man ihn ‚Chuck Berry‘ nennen“ – in diese einfachen Worte fasste kein geringerer als John Lennon den Mythos Chuck Berry. Mit Songs wie „Maybellene“, „Roll Over Beethoven“, „Memphis Tennessee“ oder „Johnny B. Goode“ kreierte Berry Mitte der 50er Jahre nahezu im Alleingang den Rock’n’Roll, und als er am 18. März 2017 im Alter von 90 Jahren starb, nahm die letzte der großen Musiklegenden dieser Zeit ihren Abschied von der Bühne. Und das ist mehr als nur eine Metapher: Bis in die 90er hinein hatte Berry jedes Jahr an die hundert Konzerte gespielt, zuletzt stand er an Silvester 2011 mit 84 Jahren auf der Bühne. Klar waren die Finger zuletzt nicht mehr so schnell wie zu Beginn seiner Karriere, und die Knie machten den berühmten „Duck Walk“, mit dem er zu seinen bluesigen Soli über die Bühne watschelte vermutlich auch nicht mehr mit – aber Berry blieb bis zuletzt ein Show Man allererster Güte.

Neben seiner genialen Verbindung von Blues und Country, der Einführung der E-Gitarre als Solo-Instrument und seinen Entertainer-Qualitäten besteht sein musikalisches Verdienst vor allem im Songwriting. Berry sang zu einem jugendlichen Publikum über typische Teenager-Probleme und Erfahrungen, und er tat dies nicht von oben herab, sondern mit Esprit, Humor und einer guten Spur Auflehnung gegen die steife Welt der Erwachsenen. Bei ihm wurden Songs zum ersten Mal kleine Geschichten mit cleveren Pointen, etwa, wenn sich in „Memphis Tennesse“ erst in der letzten Zeile herausstellt, dass die vom Sänger so schmerzlich vermisste „Marie“ nicht etwa seine große Liebe, sondern ein sechsjähriges Mädchen ist, oder wenn in „No Particular Place To Go“ am Ende ein romantischer Roadtrip mit der Freundin im neuen Auto zum Desaster wird, weil sich der Sicherheitsgurt nicht mehr lösen wird – es waren Songs wie diese, umrahmt von den ikonischen Gitarrenriffs, die die Beatles oder die Rolling Stones dazu inspirierten, sich selbst als Songwriter zu versuchen, und ihre eigene Welt in ihren Geschichten zu erschaffen; es waren diese Songs, wegen denen Bob Dylan Chuck Berry den „Shakespeare des Rock’n’Roll“ nannte, und wegen denen Leonard Cohen einmal sagte: „Wir sind alle nur Fußnoten in den Worten von Chuck Berry.“

Zu seinem 90. Geburtstag im Herbst 2016 hatte Chuck Berry noch ein neues Album angekündigt, das 2017 erscheinen soll: „Chuck“, das erste Berry-Album mit neuen Songs seit neununddreißig Jahren. Man darf gespannt sein auf dieses ganz besondere Vermächtnis.