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Natalie Cole ist tot

Die Jazz- und Soulsängerin Natalie Cole starb in der Silvesternacht in Los Angeles an Herzversagen. Sie hatte seit einigen Jahren mit den Folgen einer Nierentransplantation zu kämpfen; die Niere hatte sie 2009 von einem Fan gespendet bekommen, nachdem sie an Hepatitis C erkrankt war. In den 70er und 80er Jahren hatte die Sängerin viele Drogen konsumiert, unter anderem mit verunreinigten Spritzen injiziert, was wohl zur Hepatitis-Infektion geführt hatte.
Die Künstlerin, die 65 Jahre alt wurde, hinterlässt einen Sohn. Außerdem hinterlässt sie eine traurige Jazz-Welt, die sie mit Hits wie „Unforgettable“ geprägt hatte. Wie der Jazz-versierte Leser wohl am Namen erkennt, war Natalie Cole mit dem Pianisten Nat King Cole verwandt, nämlich seine Tochter. Dieser Fakt wäre im Artikel beinahe ausgespart worden, um der Sängerin wenigstens im Tod die Fußstapfen des Vaters zu ersparen. Vielleicht waren es aber gar keine zu großen Fußstapfen, sondern eher Aschenputtel-Pantoffeln, die ihr zu einer glänzenden Karriere verhalfen. War es nicht das virtuell geschaffene Duett mit ihrem damals schon toten Vater, das Natalie Cole 1991 mit einem Schlag zum Star machte? Im Studio war die Stimme ihres Vaters mit ihrer eigenen zum liebevollen Duett „Unforgettable“ zusammengeschnitten worden – eine Rarität im Musikbusiness. Nicht der Wunsch nach Geltung war wohl die Motivation, sondern viel eher das Bedürfnis nach Nähe oder nachträglicher Verabschiedung. Nat King Cole war gestorben, als Natalie Cole 15 Jahre alt war – nur verständlich, dass sie mit ihrem Duett scheinbar versuchte, den Verlust ein bisschen heilen zu lassen. Natalie Cole löste sich bald von den elterlichen Fußfesseln (auch ihre Mutter Maria Ellington war Jazz-Sängerin gewesen) und widmete sich dem R&B. Mit Hits wie „This will be“ oder „Inseparable“ eroberte sie die R&B-Charts, um sich aber mit späteren Alben doch dem Jazz zu verschreiben. Sie gewann insgesamt 9 Grammys.
Auch ging sie mit ihrer Drogenproblematik offen und konfrontativ um und berichtete in ihrer Autobiographie „Angel on my shoulder“ über ihre LSD-, Crack- und Heroinexzesse. Ihre Ehrlichkeit und Vorbildfunktion bei diesem Thema zeichnen sie als verantwortungsvolle Frau -abseits des Ruhms- aus.
Natalie Cole wird unforgettable bleiben.natalie-cole

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