Archiv für Januar, 2016

Glenn Frey ist tot

Sonntag, Januar 24th, 2016

Glenn Frey, Sänger, Gitarrist, Songwriter und Gründungsmitglied der Eagles, starb vergangenen Montag. Er erlag einer Lungen- und Darmentzündung als Folgen einer schon jahrelang bestehenden chronischen Gelenkentzündung. Mit den Eagles hatte Frey in den 70er Jahren weltweite Erfolge wie „Hotel California“, „Take it easy“ oder „Lyin’ Eyes“.

Während er bei den Eagles hauptsächlich „erzählerisch“ im Stil eines Sunnyboy-Barden sang, legte er sich in seiner Solokarriere ein etwas markanteres Image zu. Ohne Bart und mit kurzen Haaren wirkte er deutlich maskuliner und fügte sich gut in den kantig-glatten Style der 80er ein. 1984 erreichte „The Heat is on“ internationale Chartplatzierungen und wurde im Vorspann von „Beverly Hills Cop“ verwendet. Ebenso hinterließ Frey mit „Smuggler’s Blues“ und „You belong to the City“ musikalische Spuren im TV der 80er in der Serie „Miami Vice“. Auch schauspielerisch trat Glenn Frey in einigen US-Spielfilmen („Jerry Maguire“) und Serien („Miami Vice“,“Nash Bridges“), in „Wiseguy“ (im deutschen Fersehen „Kampf gegen die Mafia“) spielte er sogar in einigen Episoden eine Hauptrolle. Frey wurde für seine musikalischen Leistungen im Jahr 2000 in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen und bekam insgesamt sechs Grammys, als Mitglied der Eagles unter anderem mehrmals für die mehrstimmigen Gesangsarrangements.

Glenn Frey hinterlässt seine Frau Cindy Millican und drei gemeinsame Kinder. Außerdem die Bandkollegen der wiedervereinigten Eagles, besonders das nun einzig verbliebene Gründungsmitglied Don Henley. Trotz diverser Streitereien arbeiteten die beiden musikalisch kongenial zusammen. Henley verabschiedete sich mit rührenden Worten: „Er war wie ein Bruder für mich, wir waren Familie, und wie bei den meisten Familien gab es einige Störungen (…) Aber der Bund, den wir vor 45 Jahren schmiedeten, war nie gebrochen, nicht einmal während der 14 Jahre, die die Eagles getrennt waren.“ Musik schmiedet eben untrennbar zusammen… Glenn Frey wird unvergessen bleiben. Frey_kurz Frey-lang

Nachruf David Bowie

Mittwoch, Januar 13th, 2016

Wohl kaum ein Künstler hat die Glamrock- und Pop-Szene im letzten Jahrhundert so geprägt wie David Bowie. Als schüchterner Junge in einer Patchworkfamilie mit „britisch unterkühlten“ Eltern aufgewachsen, entdeckte er in der Pubertät die Musik als Ausdrucksform für sein Seelenleben. Am Anfang in verschiedenen Bands, wurde er als Solokünstler mit „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ endgültig zur Ikone. Seine mitunter homoerotisch anmutenden Bühnenshows und wechselnden Rollen machten ihn zu einer musikalischen Kunstfigur. Er ließ sich von wechselnden Einflüssen inspirieren, sodass man ihn in keine Schublade einordnen konnte.

David Bowie starb am 10. Januar, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung seines neuen Albums „Blackstar“. Nun bekommt besonders seine zweite Singleauskopplung dieses Albums „Lazarus“ eine neue Bedeutungsdimension. Im Video sieht man den ausgemergelten, ans Bett gefesselten Bowie, der den Song mit den Worten „Look up here, I’m in heaven“ beginnt. Mit dem Wissen um Bowies Tod geht einem das Video durch Mark und Bein, besonders, weil der Protagonist durch eine Augenbinde mit Knöpfen als Augen schon sehr „entmenschlicht“ wirkt, so als wäre er nicht mehr wirklich auf der Erde. Auch der für den Song gewählte Name „Lazarus“ suggeriert eine morbide Stimmung: Lazarus wurde im neuen Testament von Jesus vom Tod auferweckt, diese Geschichte endet also gut. Bowies Lazarus bleibt sich selbst überlassen im kargen Krankenzimmer. Sein in Glitzer gekleidetes Alter Ego, das sich im Video immerhin aufraffen kann, ein Testament zu verfassen, zieht sich in der Schlussszene in einen Holzschrank zurück, hier drängt sich die Assoziation zum Sarg auf.

Unendlich lassen sich dieser und auch die anderen Songs auf „Blackstar“ im Hinblick auf Bowies Tod deuten, fest steht nur, dass sich der Künstler wohl „etwas gedacht hat“ bei der Entwicklung des Albums, während der er schon von seiner Krebserkrankung wusste, das der Öffentlichkeit aber nicht mitteilte. Was es war, bleibt vielleicht verschlüsselt, kann allenfalls erahnt werden, wird am Ende nur im Angesicht des eigenen Todes in voller Tiefe erfasst. Viele Künstler beschäftigten sich mit morbiden Themen, wenige teilten die Intimität des eigenen bevorstehenden Todes. Eine bemerkenswerte Geste, die David Bowies Lebenswerk ein „Sterbenswerk“ hinzufügt.

Natalie Cole ist tot

Montag, Januar 4th, 2016

Die Jazz- und Soulsängerin Natalie Cole starb in der Silvesternacht in Los Angeles an Herzversagen. Sie hatte seit einigen Jahren mit den Folgen einer Nierentransplantation zu kämpfen; die Niere hatte sie 2009 von einem Fan gespendet bekommen, nachdem sie an Hepatitis C erkrankt war. In den 70er und 80er Jahren hatte die Sängerin viele Drogen konsumiert, unter anderem mit verunreinigten Spritzen injiziert, was wohl zur Hepatitis-Infektion geführt hatte.
Die Künstlerin, die 65 Jahre alt wurde, hinterlässt einen Sohn. Außerdem hinterlässt sie eine traurige Jazz-Welt, die sie mit Hits wie „Unforgettable“ geprägt hatte. Wie der Jazz-versierte Leser wohl am Namen erkennt, war Natalie Cole mit dem Pianisten Nat King Cole verwandt, nämlich seine Tochter. Dieser Fakt wäre im Artikel beinahe ausgespart worden, um der Sängerin wenigstens im Tod die Fußstapfen des Vaters zu ersparen. Vielleicht waren es aber gar keine zu großen Fußstapfen, sondern eher Aschenputtel-Pantoffeln, die ihr zu einer glänzenden Karriere verhalfen. War es nicht das virtuell geschaffene Duett mit ihrem damals schon toten Vater, das Natalie Cole 1991 mit einem Schlag zum Star machte? Im Studio war die Stimme ihres Vaters mit ihrer eigenen zum liebevollen Duett „Unforgettable“ zusammengeschnitten worden – eine Rarität im Musikbusiness. Nicht der Wunsch nach Geltung war wohl die Motivation, sondern viel eher das Bedürfnis nach Nähe oder nachträglicher Verabschiedung. Nat King Cole war gestorben, als Natalie Cole 15 Jahre alt war – nur verständlich, dass sie mit ihrem Duett scheinbar versuchte, den Verlust ein bisschen heilen zu lassen. Natalie Cole löste sich bald von den elterlichen Fußfesseln (auch ihre Mutter Maria Ellington war Jazz-Sängerin gewesen) und widmete sich dem R&B. Mit Hits wie „This will be“ oder „Inseparable“ eroberte sie die R&B-Charts, um sich aber mit späteren Alben doch dem Jazz zu verschreiben. Sie gewann insgesamt 9 Grammys.
Auch ging sie mit ihrer Drogenproblematik offen und konfrontativ um und berichtete in ihrer Autobiographie „Angel on my shoulder“ über ihre LSD-, Crack- und Heroinexzesse. Ihre Ehrlichkeit und Vorbildfunktion bei diesem Thema zeichnen sie als verantwortungsvolle Frau -abseits des Ruhms- aus.
Natalie Cole wird unforgettable bleiben.natalie-cole