Archiv für August, 2015

Nachtrag Bardentreffen 2015

Mittwoch, August 19th, 2015

Vom 30. Juli bis 2. August fand in Nürnberg zum 40. Mal das Bardentreffen statt – seit jeher ein Treffpunkt professioneller Singer-Songwriter, Weltmusiker und “Laien”-Straßenmusiker.

Letztere Gruppe wird in den letzten Jahren leider immer homogener und lauter: meist sind es Rock-Pop-Bands, die ihre gesamte Bandausrüstung samt Verstärker auf die Straße verlegen. Was ist passiert mit den weltvergessenen Barden, die am Straßenrand wehmütig ihre Songs schmetterten? Brauchen sie heute alle ein Mikro, um gehört zu werden? Findet die Straßenmusik ohne Verstärkung keine Zuhörer mehr? Kann ein Lovesong-schmetternder Halbstarker mit Gitarre nicht ohne Mikrofon singen und trotzdem die Herzen aller Mädchen brechen (wahlweise auch gewinnen…)?
Selbst für den wohlwollenden Zuhörer muss es eine akustische Qual gewesen sein, an jenem Wochenende durch die Innenstadt Nürnbergs zu flanieren: An jeder Ecke dröhnte und hämmerte es, selten waren Unplugged-Formationen, deren Darbietung wesentlich unaufdringlicher ist. Wo bleibt die angeblich “mediterrane Lebenslust”, auf der Homepage des Bardentreffens propagiert, wenn die Musiker, die unverstärkt spielen, zwei Stunden nach einem Platz suchen müssen, wo sie nicht rechts und links von Verstärkern übertönt werden? Erlaubt sei nur die Stromversorgung mit Akkumulatoren für einen akustischen Verstärker bis zu einer Leistung von 50 Watt pro Einzelmusiker oder Gruppe. Diese Vorgabe wurde selten eingehalten und selten beanstandet. Ebenso die Limitierung von 90 min pro Standort, an die sich jede Straßenmusik-Gruppe halten sollte. Wo bleibt da die Fairness?
So schön ein kostenloses Musikfestival mit internationalen Größen ist, man sollte dabei nicht “die kleinen Leute” dieser Veranstaltung vergessen, die das Bardentreffen zu dem machen, was es ist: die Barden am Straßenrand. Bei all dem Organisationsaufwand, der betrieben wird, um die großen Bühnen reibungslos mit bekannten Bands zu bestücken, sollten sich die Veranstalter nicht zu schade sein, für eine faire und vor allem wohlklingende Atmosphäre unter den Straßenmusikern zu sorgen.

Max Greger tot

Mittwoch, August 19th, 2015

Max Greger, Jazz-Saxophonist und Bandleader, ist tot. Er erlag in der Nacht auf vergangenen Samstag, am 15. August, einer Krebserkrankung, die erst vor kurzem diagnostiziert worden war.
Bis zuletzt stand er auf der Bühne – laut seiner Frau das letzte Mal Mitte Juli. Sein Motto war „warum aufhören, wenn mich das Publikum hören will?“. Offensichtlich auch noch im hohen Alter mit Spaß bei der Sache, begeisterte Greger durch Auftritte mit zwei anderen „alten Jazz-Herren“, Hugo Strasser und Paul Kuhn.

Greger wurde am 2. April 1926 in München geboren. Er sollte eigentlich den elterlichen Metzgerladen übernehmen, entschied sich aber – wohl auch dank des vom Großvater geschenkten Akkordeons – für eine Karriere in der Musik. Er besuchte ein Konservatorium und aGreger_2005bsolvierte ein Studium der Klarinette und des Saxophons. Zum Ende des Krieges wurde er noch eingezogen, begann nach Kriegsende, in Offizierscasinos aufzutreten.
1948 gründete er sein erstes eigenes Ensemble, spielte neben Jazz auch Volksmusik für den Bayerischen Rundfunk. Bald stand er mit Jazz-Größen wie Duke Ellington und Louis Armstrong auf der Bühne und machte sich auch durch seine fünfwöchige Tournee durch die Sowjetunion zusammen mit Maria Hellwig und Udo Jürgens international einen Namen.
1963 unterzeichnete Max Greger einen Vertrag als Bandleader der Big Band des ZDF. Mit dieser spielte er den legendär gewordenen Titel „Up to date“ für das „Aktuelle Sportstudio“ ein.
Meist spielte Greger in seiner Big Band Saxophon, wusste sich gut in die Reihe seiner Mitspieler einzufügen, was für einen Leader nicht selbstverständlich ist.
Parallel zum Jazz war Greger stets in der Volksmusik unterwegs, spielte in Sendungen wie „Vergißmeinnicht“ oder „Musik ist Trumpf“ schmalzig-schöne Melodien und schuf sich so ein „zweigleisiges“ Image.

Max Greger bleibt allerdings vor allem durch seine Jazz-Interpretationen in Erinnerung. Mit „dirty notes“ wusste er seine Stücke aufzupeppen, wie es vorher im Nachkriegsdeutschland noch nicht getan worden war. Nicht nur für die Musik, auch für die Aufbruchsstimmung in den 50er Jahren war dies ein bedeutsamer Impuls: wenn es funktioniert, warum nicht einmal eine „dreckige“ Note spielen, die nicht so ganz passt?! Solange etwas Gutes dabei rauskommt…
Greger wird in der deutschen und internationalen Musiklandschaft eine schmerzliche Lücke hinterlassen.