Archiv für Januar, 2015

Zum 80. Geburtstag von Elvis Presley

Sonntag, Januar 11th, 2015

Vergangenen Donnerstag, den 8. Januar 2015, wäre Elvis Presley 80 Jahre alt geworden. Was hätte er wohl in seiner Lebenszeit noch getan, wenn er nicht 1977 schon gestorben wäre? Hätte er noch mehr Preise, Auszeichnungen und Plätze in Halls of Fame bekommen? Bei manchen Künstlern hat man ja den Eindruck, sie hätten an ihrem Todeszeitpunkt ihren Zenit schon weit überschritten und würden, zumindest in professioneller Hinsicht, selbst in zusätzlichen Jahrzehnten Lebenszeit nichts mehr kreieren, was die Welt bewegt. Ebenso bei Elvis?

Nun, Elvis lebt, das ist unzweifelhaft. Doch ob er ohne seineElvisn frühen Tod so eine Legende geworden wäre? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, ist schwierig. Denn schon zu Lebzeiten tat der „King of Rock’n’Roll“ so viel, was den gesellschaftlichen Wertewandel wiederspiegelte und antrieb, dass schon sein pures weiteres Existieren wohl gereicht hätte, um Moralisten, Rassisten und sonstige Kleingeister zum Schweigen zu bringen. Abgesehen von seiner musikalischen Leistung wirkte Elvis Presley durch seine Herkunft, seinen Lebenswandel und seine Einstellung zu anderen Menschen und gesellschaftlichen Tabus.
Er freundete sich zur Zeit der noch bestehenden Rassentrennung mit seinem schwarzen Nachbarsjungen an und lernte mit ihm die Gospelmusik kennen, die ihn lange Zeit faszinieren und einen wesentlichen Einfluss auf seine spätere Interpretation von Songs haben sollte. Er gilt als einer der ersten, der „schwarze“ und „weiße“ Musik verquickte und damit den Rockabilly-Sound begründete. Damit integrierte er, zumindest auf musikalischer Ebene, zwei Gesellschaftsgruppen, die in den USA bis heute auf verschiedenen Ebenen konkurrieren, oft zum Nachteil der afroamerikanischen Bevölkerungsgruppe.
Auf gewisse Weise verkörpert Elvis auch den „American Dream“, weil er aus einer recht einfachen, ärmlichen Familie stammte und zum bis heute erfolgreichsten Solokünstler der Welt wurde. Er wäre eigentlich ein Zwilling gewesen, sein Zwillingsbruder wurde allerdings tot geboren. So wuchs er als Einzelkind auf, war aber keineswegs „verhätschelt“. Vielleicht liegt es an seiner Herkunft und Familiengeschichte, dass Elvis, zumindest bis zu seinem Wehrdienst in Deutschland, trotz seiner Erfolge nicht überheblich geworden war. Seine Kameraden sahen in ihm einen bodenständigen und großzügigen Menschen, er wurde während seines Wehrdiensts mit viel Lob bedacht. Überhaupt war es eine kleine Sensation gewesen, dass Elvis sich herabließ, als einfacher Soldat zu dienen anstatt in der „Unterhaltungsabteilung“ der Armee. Eben durch und durch anständig…
Anständig war bestimmt nicht sein Image in der Musikszene der 50er Jahre. Die „singende Tolle“ mit den schwingenden Hüften wurde zwar von Teenagern verehrt und begehrt, von Moralaposteln der älteren Generation aber scharf verurteilt. Dies führte dazu, dass er teilweise nur von der Hüfte aufwärts gefilmt wurde, what a pity! Man kann diesem Auftreten natürlich ein gewisses Kalkül unterstellen, denn mit Konformität wurde noch selten eine Legende geboren. Dennoch gehört Mut dazu, sich den gängigen Idealen zu widersetzen und sich zu kleiden und aufzutreten, wie man es als passend und richtig für sich selbst und das, was man auszudrücken versucht, empfindet.

So stellt sich Elvis rückblickend nicht nur als musikalisch erfolgreicher Entertainer, sondern als vielseitiger Initiator von Veränderungen und Projektionsfläche von Idealen dar. Ein braver G.I. aus ärmlichen Verhältnissen, der seine Mutter verehrte und mit seinem Hüftschwung die Welt in Aufruhr versetzte: welch gelungener Mix! Selbst wenn er in den bis heute verbleibenden Jahren seit seinem Todesdatum nichts getan hätte außer täglich sein Lieblingsfrühstück (Erdnussbutter-Bananen-Sandwich) zu sich zu nehmen, er hätte bereits genug getan, um die Welt zu verändern.

Vielen Dank für die Lieder…

Donnerstag, Januar 8th, 2015

…möchte man Udo Jürgens nachrufen, der am 21. Dezember im Alter von 80 Jahren an Herzversagen starb. Kaum jemand im deutschsprachigen Raum kam wohl umhin, zumindest eines seiner Lieder in seinen Lebenssoundtrack aufzunehmen. Sei es, weil die Großmutter oder Mutter das Lied liebten oder weil man selbst schon dazu im Bierzelt auf den Tischen getanzt hat. Wer hat nicht schon mit Jürgens’ Begleitung griechischen Wein getrunk
en, wilde Kirschen genascht oder sich einen teuflischen Schnaps hinter die Binde gekippt?

Udo Jürgens1Udo Jürgens wurde 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Kärnten geboren. Nach einer Kindheit und Jugend auf Schloss Ottmanach mit seinen beiden Brüdern John und Manfred besuchte er das Mozarteum in Salzburg und trat nebenbei schon mit ersten Liedern in Kneipen auf. 1950 gewann er mit “Je t’aime” den Komponistenwettbewerb des Österreichischen Rundfunks. In den folgenden Jahren schrieb er Songs für andere Künstler, unter anderem für Frank Sinatra und Shirley Bassey. 1965 feierte er einen ersten eigenen Erfolg mit dem Schlager “Siebzehn Jahr, blondes Haar”. Nachdem er 1964 zum ersten Mal am Grandprix Eurovision teilgenommen hatte, gewann er zwei Jahre später den Wettbewerb in Luxemburg für Österreich mit “Merci, Chérie”. Dieser Erfolg bedeutete für Udo Jürgens den internationalen Durchbruch, dem weltweite Tourneeauftritte folgten. “Griechischer Wein” (1975) war wohl Jürgens’ weltweit einflussreichster Hit. Er thematisierte in diesem Lied das Heimweh der griechischen Gastarbeiter in Deutschland und verlieh einer vermeintlich alltäglichen Erscheinung durch seine Musik eine ungeahnt emotionale Qualität. Ein Beweis dafür, wie sehr er mit diesem Lied ins Schwarze getroffen hatte, war eine Einladung des damaligen griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis nach Athen. “Griechischer Wein” wurde ins Griechische übertragen und avancierte in Griechenland zum bekannten Volkslied. Im Laufe seiner Karriere komponierte der Ausnahmemusiker über 1000 Songs, veröffentlichte mehr als 50 Alben und verkaufte mehr als 100 Millionen Tonträger. Udo Jürgens2
Nicht aber die Masse an verkauften Alben oder veröffentlichter Songs macht die Besonderheit von Udo Jürgens aus, sondern viel eher die Tatsache, dass es nicht ruhig um ihn wurde. Gegen Ende seines Lebens wurde er vielleicht selbst etwas ruhig – wie etwa in seinem letzten Fernsehauftritt in der Helene Fischer-Show – , doch die Liebe zur Musik, zum Unterhalten, blieb erhalten. 2015 wollte Jürgens mit seinem neuen Album “Mitten im Leben” auf Tour gehen, nun wird der Name dieser Platte einen bitteren Beigeschmack haben. Dennoch: dass ein Künstler mit 80 Jahren noch seine nächste Tour plant, ist ein guter Hinweis darauf, dass er seinen Beruf liebt. Die Verehrung seiner Fans gibt Udo Jürgens Recht.

Eine Aufzählung seiner Erfolge wird Udo Jürgens nicht gerecht. Auch wenn es sich interessant liest, wie seine Karriere begann: was bleiben wird, sind die Emotionen, die Menschen mit Jürgens’ Liedern verbinden. Auch die Vielseitigkeit seiner Songs, seien sie nun gesellschaftskritisch (“Ein ehrenwertes Haus”), liebestrunken (“Es wird Nacht, Senorita”) oder einfach nur witzig (“Aber bitte mit Sahne”), die eine unglaubliche Bandbreite an Gefühlen aufspannt, wird in Erinnerung bleiben. Udo Jürgens war uns ein Tröster, Kritiker, Liebhaber, Spaßvogel, Verführer und Entdecker…und wahrscheinlich noch viel, viel mehr. Kurzum, er war ein Mensch, der es verstand, Musik für Menschen zu schreiben. Ein Unikat und Unterhaltungstalent, das im deutschsprachigen Raum seinesgleichen suchte und weiterhin suchen wird.
Udo Jürgens’ Tod hinterlässt eine große Lücke im Musikbusiness, und in den Herzen seiner Fans. Die Lieder aber bleiben. Sie bitten uns an einen mit Sahnetorten gedeckten Tisch in einem ehrenwerten Haus, füllen uns mit griechischem Wein und Teufelsschnaps ab, entführen uns nach Rhodos und Argentinien und lassen Senoritas, siebzehnjährige Blondinen, Chéries und Anuschkas schwach werden. Danke für dieses schillernde und differenzierte Universum an Musik, Udo Jürgens!