Archiv für September, 2014

Leonard Cohen wird 80

Mittwoch, September 24th, 2014

„I heard there was a secret chord…” – einer der bekanntesten Liedanfänge der Popmusik. Ursprünglich komponiert wurde der Song vom kanadischen Singer-Songwriter, Dichter und Schriftsteller Leonard Cohen, der vergangenen Sonntag seinen 80. Geburtstag feierte. Wirklich erfolgreich wurde der Song allerdings erst durch die Interpretation durch andere Künstler wie Jeff Buckley oder John Cale. Dieses Schicksal ereilte einige von Cohens Songs, was der Großartigkeit seines bisherigen Werks aber keinen Abbruch tut.

1934 wurde er als Sohn einer jüdischen Familie in einem Vorort von Montreal geboren. Mit 9 Jahren verlor er seinen Vater. Seine Mutter war sehr musikalisch und mit 13 Jahren lernte Cohen Gitarre spielen, angeblich, um ein Mädchen zu beeindrucken. Bald hatte er erste kleinere Auftritte, konzentrierte sich mit Beginn seiner Studienzeit an der McGill University mehr auf das geschriebene als auf das gesungene Wort. Eigentlich strebte Leonard Cohen nämlich eine Schriftstellerkarriere an, die er 1956 mit dem Gedichtband „Let us compare mythologies“ begann. Zu dieser Zeit hatte er noch nicht einmal die Universität abgeschlossen. Nach ungefähr zehn Jahren, in denen er sich hauptsächlich auf die Schriftstellerei konzentriert hatte und dazu auch in Europa gelebt hatte, kehrte er 1967 mit 23 Jahren nach Amerika zurück und wechselte ins Musikbusiness. Im selben Jahr wurde er auf dem Newport Folk Festival von John Hammond, der für Columbia Records arbeitete, entdeckt. Kurz darauf brachte er sein erstes Album heraus. Viele weitere sollten. Seine Songs zeichneten sich durch eine melancholische, fast schon depressive Stimmung aus. Über die Jahre hinweg beschäftigte er sich in seinen Liedern, die wie Gedichte anmuten, mit verschiedenen Themen, darunter auch Religion und Politik. In den neunziger Jahren wandte sich Cohen ab vom Musikbusiness – überhaupt vom weltlichen Leben – und ging in ein buddhistisches Kloster nahe Los Angeles. Sein Name als Mönch dort war Jikan, was „der Stille“ bedeutet. Nach nur wenigen Jahren entschloss sich Cohen jedoch, die Stille zu verlassen und erneut Musik zu machen. Mit „Ten New Songs“ feierte er 2001 sein Comeback. In den Folgejahren arbeitete er viel mit seiner derzeitigen Freundin und ehemaligen Backgroundsängerin Anjani zusammen, für die er auch Texte schrieb. Leonard Cohen begab sich sogar noch zweimal auf Welttournee, und wurde, ganz zwischendurch, in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Außerdem erhielt er 2011 den Prinz-von-Asturien-Preis für seine Verdienste im Bereich der Geisteswissenschaften und Literatur.

Leonard Cohen hat durch seine Musik Generationen von Menschen beeinflusst, indem er ein Stück Liedkultur weitergab: Lieder, die erzählen. Genau wie sein viel gecovertes, doch nie mit so viel Inbrunst und gleichzeitig leisen Melancholie wie vom Meister selbst interpretiertes „Hallelujah“. Ein Lied, das vielleicht durch all die Covers und Amateurinterpretationen „abgenutzt“ scheinen mag, dessen schlichte und traurige Schönheit aber trotzdem immer wieder zu Tränen rührt, ob man es nun hört oder selbst singt. Wir ziehen unseren Hut vor Leonard Cohen, so wie er es auf der Bühne oft tut, und sagen „Danke“ für alles, was er uns in den bisherigen 80 Jahren schon mit auf den Weg gegeben hat.leonard_cohen

Zum Tod von Joe Sample

Mittwoch, September 17th, 2014

JOE-SampleJoe Sample, Fusion-Jazz-Komponist und –pianist und Mitglied der erfolgreichen Formation „The Crusaders“, verstarb am vergangenen Freitag mit 75 Jahren in Houston (Texas). Auf der Facebookseite des Musikers wurden sowohl sein Tod als auch Termin und Ort der Trauerfeierlichkeiten mitgeteilt, beides stieß auf mitfühlendes und großes Echo.

Sample wurde 1939 in Houston geboren und erlernte schon als Kind das Klavierspiel. Er träumte recht bald von einem Dasein als Jazz-Pianist, begann jedoch ein klassisches Musikstudium. Nach dem Abbruch des Studiums begann er ambitionierter mit der Formation „The Jazz Crusaders“, die aus seinen Collegefreunden Wilton Felder, Wayne Henderson und Stix Hooper bestand, aufzutreten. Ihr erstes Album „Freedom Sound“ nahm die Band 1961 bei Pacific Jazz auf. Der Mix aus Jazz, Soul und Blues verkaufte sich erstaunlich gut, aber ein wirklich großes Publikum konnte die Band noch nicht erreichen. So änderten sie ihren Namen 1971 in “The Crusaders“, um jüngere Zuhörer nicht durch die Kategorie „Jazz“ abzuschrecken. Sie begannen, auch funkige Elemente in ihre Songs aufzunehmen, was ihnen zu größerer Beliebtheit vor allem bei jüngerem Publikum verhalf. Nachdem Wayne Henderson die Gruppe 1976 verlassen hatte, veränderte sich der musikalische Charakter hin zu ruhigeren Nummern, was von der Kritik als zu kuschelig bewertet wurde. Um einen Neuanfang zu machen, beschlossen „The Crusaders“, zukünftige Nummern mit Gesangseinlagen aufzupeppen und taten sich dafür mit bekannten Sängern zusammen. Der größte Erfolg dieser neuen Linie wurde das 1979 veröffentlichte, von Joe Sample mitkomponierte „Street Life“, das vom Gaststar und Newcomerin Randy Crawford interpretiert wurde. Nachdem 1983 auch noch der Drummer Stix Hooper die Formation verließ, kündigte sich langsam ein Ende des gemeinsamen Erfolgs an.

Seit den 80er Jahren arbeitete Joe Sample daher auch als Solokünstler, sein letztes Studioalbum veröffentlichte er im Jahr 2003. Er arbeitete mit vielen Musikern zusammen, unter anderem machte er Aufnahmen mit Nils Landgren, Donald Byrd, Miles Davis, Les McCann und Ella Fitzgerald. Doch Sample hatte nicht den vornehmlichen Drang, selbst im Rampenlicht zu stehen, er arbeitete auch als Studiopianist. So ist er auf Aufnahmen von beispielsweise Diana Ross, Ray Charles und Joni Mitchell zu hören.

Joe Sample wurde als offener, sich selbst treu bleibender Musiker beschrieben. Diese Eigenschaften sowie seine außerordentliche Vielseitigkeit (Bandmitglied, Solokünstler und Studiomusiker für andere Künstler) zeichnen ihn aus. Auch wenn eine soziale Plattform wie Facebook nur indirekt die Wirkung bestimmter Fakten und Menschen auf andere Menschen messen kann, lassen knapp 3500 Kommentare zur Todesnachricht von Joe Sample erahnen, welchen Einfluss er gehabt hat und welch große musikalische Lücke er hinterlassen wird.