Archiv für Oktober, 2013

Totgesagte leben länger – doch leider nicht ewig

Dienstag, Oktober 29th, 2013

3erw0011

Im Jahr 2001 schockte die Nachricht von Lou Reeds Tod die Musikwelt. Die angebliche Heroinüberdosis entpuppte sich jedoch kurz darauf als Falschmeldung. Indes, schwer zu glauben fiel diese nicht – Lou Reed war ein extremer Charakter, ein Besessener, der sein ganzes Leben schonungslos zu sich selbst bis zum Äußersten ging. Am Sonntag, den 27. Oktober ist Lou Reed im Alter von 71 Jahren verstorben (vermutlich an Folgen einer Lebertransplantation) und die Musikwelt trauert.

Reed gründete 1965 zusammen mit dem Waliser John Cale die visionäre Avantgarde-Rockband Velvet Underground mit der er Musikgeschichte schrieb. Kommerziell erfolgreich war diese zwar nie, doch Generationen von Musikern wurden durch sie beeinflußt und beriefen sich auf sie – überschritt sie doch die Grenze vom Rock zur experimentellen Musik, zur Kunst, Literatur und Film. Man denke nur an Andy Warhols “Bananen-Cover” des Debütalbums “The Velvet Underground & Nico” – seit langem ein fester Bestandteil der Popkultur. Reeds provokante Texte über Drogen, Sex und Gewalt, dazu finstere Noisegewitter und Klangexperimente waren keine leichte Kost und ihrer Zeit weit voraus. Velvet Undergrounds Vorreiterrolle, insbesondere für die Punk-Bewegung und Noise-Avantgarde a la Glen Branca oder Sonic Youth, ist heute unbestritten.

Seine Solokarriere begann Lou Reed 1972 nach der Trennung von Velvet Underground. Sein noch im selben Jahr von David Bowie produziertes Album “Transformer” ist ein Klassiker, nicht nur wegen des populären Stücks “Walk On The Wildside”, seinem Durchbruch als Solokünstler. Unermüdlich arbeitete Reed, veröffentlichte unzählige Alben, blieb bis zuletzt dabei musikalische Grenzen auszuloten und kollaborierte mit so unterschiedlichen Musikern und Künstlern wie David Bowie, Laurie Anderson (seiner langjährigen Lebensgefährtin und späteren Frau), Ornette Coleman, Julian Schnabel, Willem Dafoe, Paul Auster, Philip Glass, Jim Jarmusch, Robert Wilson oder Wim Wenders.

Nun ist Lou Reed für immer von uns gegangen, doch sein Werk und sein Leben werden in Erinnerung bleiben.