Archiv für April, 2013

PALLAS-WERK IN DIEPHOLZ AUSGEBRANNT

Donnerstag, April 25th, 2013

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„Die Erde ist eine Scheibe“- das ist der klangvolle Slogan der Pallas Group, die DVDs, CDs und Schallplatten herstellt und kürzlich einen herben Verlust hinnehmen musste: In der Nacht zum vergangenen Montag war die Produktionshalle für DVDs und CDs im niedersächsischen Diepholz durch einen Brand komplett zerstört worden. Von der 1500 Quadratmeter großen Halle stehen nur noch Mauerreste, jedoch konnte ein Übergreifen der haushohen Flammen auf die naheliegende Fertigungshalle für Vinylplatten verhindert werden. 200 Mitarbeiter der Feuerwehr waren an den Löscharbeiten beteiligt, 2 von ihnen wurden dabei verletzt. Die Brandursache war zunächst unklar, am Dienstag untersuchten Gutachter der Staatsanwaltschaft und der Versicherung den Brandort.

Bei Pallas in Diepholz sind rund 140 Mitarbeiter angestellt, die nun vorübergehend in der unversehrten Vinyl-Abteilung weiterbeschäftigt werden sollen.

Auf der Firmenhomepage bedankt sich Geschäftsführer Holger Neumann in einem Statement für das Mitgefühl und die vielen guten Wünsche nach dem Brand. Er kündigt außerdem an, dass die Fertigung nach dem schon geplanten Wiederaufbau der Halle bald wieder beginnen soll. Bis es soweit ist, arbeitet Pallas mit einem Kooperationspartner zusammen, sodass auch weiterhin Auslieferungen an Kunden möglich sind.

GIOVANNI ALLEVI IN PARMA

Freitag, April 19th, 2013

Teatro Regio Parma

“Stiamo tornando nel Rinascimento italiano, dove l’artista deve essere un po’ filosofo, un po’ inventore, un po’ folle, deve uscire dalla torre d’avorio e avvicinarsi al sentire comune.”  (Wir kehren nun zur italienischen Renaissance zurück, als ein Künstler ein bisschen Philosoph, ein bisschen Erfinder, ein bisschen Spinner sein musste und sich aus seinem Elfenbeinturm hinaus hin zum allumfassenden Empfinden bewegen musste)(Giovanni Allevi)

Dieses Zitat beschreibt sehr gut die Einstellung des 44-jährigen italienischen Pianisten Giovanni Allevi zur Musik: Man muss sie mit allen Sinnen erfahren können und sein Empfinden für die Kunst erweitern, wenn man sich wirklich darauf einlassen möchte. Diese Einstellung konnten die Besucher  des Teatro Regio in Parma am vergangenen Dienstag beim Auftritt Allevis innerhalb seiner „Piano Solo“-Tour auf eine faszinierende Art und Weise kennenlernen.

Allevi, der sowohl ein Diplom in Klavier als auch eines in Komposition besitzt und zusätzlich einen Philosophie-Abschluss vorweisen kann, begann seine solistische Klavierkarriere im Musikkorps der italienischen Armee, wo er ab 1991 seinen Dienst ableistete. Nach seinem Militärdienst begann er selbst zu komponieren und besuchte Kurse in Bio-Musik und Musiktherapie bei Mario Corradini.

Giovanni Allevi

1997 veröffentlichte Giovanni Allevi sein erstes Album (13 Dita = 13 Finger) beim Label „Soleluna“ des italienischen Sängers Jovanotti. In den Folgejahren eröffnete Allevi auch einige Konzerte von Jovanotti mit Klavierstücken, was ihn bei einem breiteren Publikum bekannt machte. Inzwischen ist er in Italien ein regelrechter Popstar am Piano, der für sein natürliches und ungezwungenes Auftreten geliebt wird.

La musica non è fatta di note corrette, ma di passione, dedizione, intenzione travolgente.“ (Musik besteht nicht aus korrekten Noten, sondern aus Leidenschaft, Hingabe und überwältigendem Willen) – diese Herangehensweise hört man Giovanni Allevi an, denn er versucht, durch sein Spiel Zugang zu den Emotionen seiner Zuhörer zu bekommen. Davon konnte man sich auch bei seinem Konzert in Parma überzeugen. Allevis Spiel war sehr menschlich (anfangs etwas nervös) und gefühlvoll, er lotete die Gegensätze zwischen zartem Tastenstreicheln und furiosen, kraftvollen Passagen effektvoll aus. Zu jedem Stück machte er eine kurze Ansage, in der er die Bedeutung des Namens und die „Aussage“ erklärte. Oft spickte er seine Ansagen auch mit Zitaten von Philosophen oder fügte eine liebevolle Aufforderung hinzu („Bei diesem Stück dürft ihr euch küssen“ – beim Stück „Il bacio“ = der Kuss). So führte er das Publikum behutsam durch einen Abend voller verschiedenster Gefühlsnuancen und Situationen. Giovanni Allevi versteht es, durch Worte die Intensität des musikalischen Erlebens zu verstärken und seine Musik dadurch einem sehr breiten Publikum zugänglich zu machen. So kann man auch ohne jegliches musikalische Vorwissen in eines seiner Konzerte gehen und Musik als etwas Lebendiges und Überwältigendes erfahren. Und das Schönste an Allevis Spiel war nicht etwa die technische Perfektion oder die Ausgefeiltheit seiner Kompositionen, nein, es war seine Hingabe an sein Instrument, seine Leidenschaft, mit der er es schaffte, sehr viele Menschen (Das Teatro Regio hat 1200 Plätze…) gleichermaßen zu fesseln und zu berühren. Wenn es auch Kritiker gibt, die Allevis technisches Talent in Frage stellen, so kann man ihnen nur entgegnen: sein Talent, die soziale Funktion der Musik zu nutzen, nämlich Menschen auf friedliche Weise zusammenzubringen, wiegt tausendmal mehr.

Die Parmiggiani waren begeistert, was sich in 3 (!!!) Zugaben äußerte. Ein gelungener Abend, der den musikalischen Horizont erweiterte!

Montag, April 8th, 2013

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Impex Records ist in diesem Frühjahr der audiophile Hattrick gelungen. Gleich drei Platten des Labels fanden sich auf der Top-Ten-Liste der Jazz Reissues von “The Absolute Sound”. Die Top-Ten-Listen des von Robert Harley herausgegebenen amerikanischen Magazins gelten Freunden des audiophilen Musikgenusses auf der ganzen Welt als der Qualitätsmaßstab schlechthin, und angesichts der Fülle an Vinyl-Neuauflagen im Jazzbereich ist es wirklich eine beachtliche Leistung, in eine solche Top-Ten-Liste zu kommen – aber dann gleich mit drei Platten! Impex’ Reissue von “Time Further Out” des Dave Brubeck Quartetts belegt sogar Platz 1 der Liste, Miles Davis’ “Friday And Saturday Nights At The Blackhawk” und Duke Ellingtons “Indigos” finden sich auf Platz 7 und 8.

Und die Rezensionen von “The Absolute Sound” hören sich fast genau so gut an wie die Platten selbst: “Besser geht’s nicht”, heißt es über Kevin Grays Remastering von “Indigos”, von “bemerkenswerter Klarheit und einer ruhigen Pressung” ist die Rede bei “Friday And Saturday Nights”, und über “Time Further Out” sagt das Magazin schlicht: “Exzellent.”

Nachdem alle LPs bei Impex als Limitierte Editionen erscheinen, sollte man sich diese drei auf keinen Fall entgehen lassen – zumal man damit auch noch drei der größten Jazz-Musiker aller Zeiten kriegt, und drei Platten, die nicht nur klanglich sondern auch musikalisch auf ganzer Linie begeistern.